Die Wiege der dunklen Romantik
Viele Symbole aus der Gothic Szene wie die Fleur de Lille (die Bourbonnenlilie) finden ihren Ursprung in Frankreich. Dort entstand die Wiege der „Gotik“ und ihrer Kunstwerke, und zwar im Umkreis von Paris. Hier unterscheidet man die Frühgotik (ca. 1130), die Hochgotik (um 1195) und die Spätgotik (ab 1350). Im Kirchenbau wie in der Kunst verließ man die bogenförmige Architektur der Romantik, ihre geschwungenen Linien und wandte sich den klaren, spitz zulaufenden Formen zu, die ihre Basis in der Geometrie und Musik hatten.
Beides wiederum Wissenschaften, die auf der Mathematik beruhten. Ob man es glauben mag oder nicht, die Mathematik ist die reine, pure, ästhestische Grundlage für den gotischen Stil, und eine Vorliebe für die Ästhetik sagt man auch heute den Anhängern der Gothic-Szene nach. Das dritte Standbein der gotischen Symbolik bestand in der Spiritualität, d. h. dem Glauben an die Rückfindung der Menschenseele zu ihrem Schöpfer. Eine weitere Parallele zu den heutigen Gothics, denn diese haben durchaus keine Todessehnsucht. Im Gegenteil. Gothic sein bedeutet die Vergänglichkeit des Lebens zu respektieren und dieses gleichzeitig zu genießen, gerade weil man sich seiner „Endlichkeit“ bewusst ist! Und diese Einstellung hat nichts mit der jeweiligen Religion zu tun, in die man hinein geboren oder getauft wurde.
Daher findet man hier auch viele „heidnische“ Symbole für das ewige Leben, wie das Ankh-Kreuz aus dem alten Ägypten. Um 1800, einer Zeit, in der man sich nach der Vergangenheit zurücksehnte und mittelalterliche und gotische Elemente in Kunst und Alltag zurückholte, erlebte man gleichzeitig den ersten Boom der heutigen „Esoterik“, Séancen und die Tarotkunst waren „in“ bei der besseren Gesellschaft und man begann, sich für das Übernatürliche zu interessieren, was gleichzeitig Furcht und eine angenehme Gänsehaut vermittelte. Auch die Wissenschaft schickte sich an, die dunkle Seite des menschlichen Geistes zu erforschen. Man experimentierte mit Elektrizität und Magnetismus. Anhand von Leichen machte man sich anatomisch man sich auf die Suche nach dem Sitz der Seele. Verschiedene Thesen wurden aufgestellt und wieder verworfen, u.a., dass das Blut der Träger der Seele sei. In dieser Zeit wurde der Begriff „Gotik“ mit etwas Dunklem und Unbegreiflichem verbunden.
Viele Schriftsteller, Bildhauer und Maler dieser Zeit drückten dieses Fremdartige in ihren Werken aus, Das Mysteriöse faszinierte und schreckte gleichzeitig ab (siehe Mary Shelley´s Frankenstein, die Novellen von Edgar Allen Poe oder Bram Stoker´s Dracula). Das Sinnbild für die dunkle Romantik war geboren: der Vampir
(ck)
Erstveröffentlichung im Vampire Magic Magazin No. 1/2008
Friedhöfe
Die müssen sein, wenn es um eine Vampirsaga geht. Aber nicht irgendwelche, versteht sich. Der erste Friedhof, auf dem Jason Dawn auftaucht, ist in Band 1 „Lebensadern“ zu finden. Es handelt sich um den Friedhof Ohlsdorf, der als einer der schönsten in Deutschland gilt. Hier legt der zornige junge Vampir seine Opfer Gott sozusagen „vor die Füße“, indem er sie deutlich sichtbar immer in der Nähe einer Engelsstatue präsen-tiert. Und so wissentlich die Polizei auf den Plan ruft. So treffen Jason und Kommissar Welsch mit seiner Partnerin Rita Hold das erste Mal aufeinander. Warum er die Polizei herausfordert? Jason besitzt typisch „menschliche“ Eigenschaften. Zum einen fühlt er sich unglücklich und gleichzeitig schuldig wegen seiner Wandlung. Zum anderen fühlt er sich unbesiegbar in diesem Zustand als Vampir.
Der Hamburger Friedhof taucht noch öfter in der Saga auf, ist zum Beispiel Schauplatz für den Tod Laetitias, Jasons engster Vertrauter, die für ihre Rasse ihr Leben gibt. Und er ebenso für eine gefährliche Szene, in der zum ersten Mal eine alte Fürstin namens Thalia di Marco auftaucht und Rita Hold, die Kommissarin, bedroht. Jason kann sie im letzten Augenblick retten.
Doch das ist nicht der einzige Friedhof, der in der Saga auftaucht. Wir treffen darin ebenfalls auf Père Lachaise, dem prominentesten Friedhof Frankreichs. Viele Künstler sind dort begraben. Hier treibt jedoch nicht Jason sein Unwesen, sondern; sondern ein Rebell, der Zigeunerfürst Alexandre Cuvier, erwacht zu neuem Leben, der einen fürchterlichen Aufstand in Europa anzettelt.
Leseprobe:
Auf dem berühmten Friedhof Pére Lachaise in Paris erwachte der Zigeunerfürst Alexandre Cuvier aus seinem jahrzehntelangen Schlaf. Es war Nacht auf dem riesigen Gelände. Die Grabsteine und Monu-mente ragten schemenhaft in den Himmel. Als Alexandre das Mausoleum verließ, in dem er seit den vierziger Jahren geruht hatte, bemerkte er, dass sich viel verändert hatte. Die Wege zwischen den Grabstätten waren inzwischen gepflastert worden. Der ganze Friedof glich einem einzigen Denkmal für den Tod. Sogar die Luft roch nach Trauer in dieser Nacht, nach feuchtem Laub und Erde. Ja, das war seine Heimat, das hier und Paris, dessen Untergrund er regiert hatte, bis die deutschen Besatzer kamen. Aber zunächst einmal musste er sich orientieren. Und er hatte Hunger! Die streunende Katze auf einem der Gräber kam ihm als Appetithappen gerade recht.
Soweit so gut. Friedhöfe dienen außerdem dem Vampirprinzen Xavier Dantes als Spielplatz. Er liebt es, potentielle Opfer in der Nacht dort auszusetzen und sie zu jagen. Seine Grausamkeit ist legendär, dennoch ist er ein Feigling. Xavier wurde von Jason erschaffen und was er nicht besitzen kann, vernichtet er. Das gelingt ihm sogar bei Jason. und ohne Leanders Hilfe wäre dieser rettungslos verloren gewesen.
Urnen und Särge
Was gehört auf jeden gepflegten Friedhof? Logisch, Urnen. Die spielen natürlich auch eine gro-ße Rolle. Zunächst einmal behält Xavier Jasons Asche in einer Urne. Die muss Leander ihm mit Hilfe von zwei alten Fürsten stehlen.
Das nächste Mal begegnen wir diesen Gefäßen in nicht unerheblicher Anzahl in einer verborgenen Nekropole unter dem Vatikan, der sogenannten Halle der Seelenlosen. Dort sammelt der geheime „Lichthüter-Orden“ die Asche aller von ihnen erlegten Vampire. Ja, auch die Kirche ist in dieser Sage nicht so harmlos wie es scheint.
Und was ist mit Särgen, werdet Ihr Euch bestimmt fragen? Tja, die spielen eine eher untergeordnete Rolle in der Jason Dawn Saga, denn die brauchen eigentlich nur noch die alten Fürsten. Lichtscheu und nachtaktiv halten diese sich an die Traditionen. Und die Grenzgängervampire natürlich, doch die sind schon wesentlich flexibler. Sie benutzen Särge ganz gerne mal als „Transportmittel“, benötigen jedoch nur temporäre Schlafphasen, da sie bereits tagaktiv sind.
In dieser mehrteiligen Saga finden sich nicht nur Friedhöfe, die man automatisch mit Vampiren verbindet, sondern auch eine Menge an Symbolik, die auf altem Wissen basiert und mit der Unsterblichkeit und dem ewigen Leben oder der Ewigkeit an sich bis heute in Verbindung gebracht wird. Genauso aber für Wandlung/Verwandlung und Transformation stehen. Dazu zählen: Rose, Efeu, Mond, Amethyst, Einhorn und andere. Magie spielt ebenso darin eine Rolle wie Esoterik und Philosophie. Gut und Böse sind nicht scharf abgegrenzt, sondern wie ein Spinnennetz in– und miteinander verwoben.
Die Magie
Nein, keine gewöhnliche Hexerei ist hier zugange, sondern eine ganz besondere Art von Magie. Zugegeben, sie hat ein wenig mit Nekromantie zu tun, der Beschwörung von Totengeistern. Eine wichtige Rolle in der Saga spielt nämlich die Bibel Azraels, des Todesengels, mit deren Hilfe man nach einem bestimmten Ritual Tote und auch Vampire wieder zurück ins Leben holen kann. Wer im Besitz dieser Bibel und des al-ten Wissens ist, verfügt damit über eine gewaltige Macht.
Der Halbengel Leander Knight hat mit ihrer Hilfe Jason zweimal ins Leben zurück geholt. Xavier stahl sie und verlor sie vor dem Kampf mit Ayleen Knight, der Tochter von Leander und Lady Alderley.
Nun, nicht allein, die uralten Worte sind wichtig für die Wiedererweckung, sondern auch eine bestimmte Zeit, der sogenannte 13. Mond. Hier kommt ein Thema aus der Astrologie zur Sprache (oder im weitesten Sinne der Esoterik). Bereits in der keltischen Astrologie gab es 13 Monde, in fast allen Kulturen verehrte man die Mondgöttin und bis heute schreibt man ihm magische Kräfte zu.
Wie bei jedem Ritual wird natürlich noch etwas Wichtiges benötigt, vor allem, wenn es um die Wiedererweckung eines Vampirs geht: Blut. Der Todesengel verlangt nämlich ein Opfer, das den Platz einnimmt für die Seele, die er wieder ins Leben entlässt! Das Problem dabei ist nur: dieses Opfer muss aus freiem Willen geschehen.
Ihr seht, es ist also gar nicht so einfach, Tote wieder zum Leben zu erwecken, selbst wenn man alle Zutaten beisammen hat.
Die Waffen
Es herrscht ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Vampiren und Menschen, das jederzeit ge- oder zerstört werden kann.
So gibt es in der Saga magische Waffen, darunter fällt der Dolch der Hekate und das Horn des Einhorns. Ursprünglich gab es mal zwei Hörner, die als Waffe gegen die Vampire und alle Unsterblichen eingesetzt wurden, doch eines davon ging verloren. Das andere ist nach wie vor im Besitz von Leander Knight, der es hütet wie einen Schatz. Selbst seine Tochter weiht er lange Zeit nicht in dieses Geheimnis ein.
Warum gerade Einhörner?
Nun, sie stehen seit alter Zeit für die Reinheit, Unschuld, das ewige Leben, ja sogar für die Gottesmutter Maria. Was wäre also besser geeignet, etwas Böses zu vernichten, das sich von Blut ernährt.
Dummerweise vermag dieses Horn alles zu vernichten, was unsterblich ist. Damit besteht auch eine Gefahr für den Halbengel Leander Knight und seine Tochter Ayleen. Das Horn des Einhorn selbst kann übrigens nicht vernichtet werden, nicht einmal durch Feuer.
Der Dolch der Hekate, der uralten Göttin der Magie, stammt von der alle-rersten Vampirfürstin Rabea und half Rita Hold bei der Vernichtung von Jasons Erschaffer, als dieser ihn bedrohte.
Später war es an Kommissar Welsch bei der Vernichtung der Vampirfürstin Thalia di Marco behilflich zu sein, was dieser nur höchst ungern auf Jasons Bitte hin tat. Dieser Dolch sollte von einem Menschen geführt werden. Vampire können ihn nicht mehr direkt berühren, wenn einmal ein Vampir damit getötet wurde.
Auch diese Waffe ist nicht ganz ungefährlich. Mit diesem Dolch brachte sich die ehemalige Kommissarin Rita Hold selbst um, als sie irrtümlich keine Möglichkeit mehr sah, mit Jason zusammen zu bleiben.
Engelsblut, zum größten Teil bestehend aus Wasserstoffperoxid - Dies gehört bereits zu den neuen Technologien, mit der sich Vampire vernichten lassen. Daraufhin glauben sich die Menschen im Vorteil und rüsten sogar eine Militäreinheit damit aus. Es gelingt ihnen scheinbar, alle alten Fürsten zu vernichten, doch der Triumph währt nicht lange, denn nach zahlreichen Verlusten finden die Vampire endlich ein Gegenmittel!
Ranken für die Ewigkeit
Bereits für die Druiden war sie heilig. Die Rede ist vom gemeinen Efeu. Eine Pflanze, an der wir heute achtlos vorbeigehen. Dabei hat sie eine jahrhundertealte Symbolik zu bieten: Wie die meisten immergrünen Pflanzen Sinnbild der Unsterblichkeit. Die unverändert grüne Farbe und der rankende, gleichsam sich an-schmiegende Charakter der Pflanze ließen sie auch zu einem Symbol der Freundschaft und Treue werden, weshalb sie beispielsweise im anti-ken Griechenland Brautpaaren bei der Hochzeit überreicht wurde. Wegen des Bedürfnisses, sich anzulehnen, galt der Efeu verschiedentlich auch als weibliches Symbol. Daneben war die kräftige grüne Pflanze in der Antike ein Symbol vegetativer Kräfte und der Sinnlichkeit, weshalb sie im Dionysos- bzw. Bacchuskult eine bedeutende Rolle spielte. So waren z.B. die Mänaden bzw. Bacchanten, Satyrn und Silene mit Efeu bekränzt und die Thyrosstäbe mit Efeu geschmückt. (Quelle: kunstdirekt.net)
In den meisten Jugendstilmotiven findet man die stilisierte Ranken wieder. Beides, Treue und ewiges Leben, wurde gerne auch auf Grabsteinen durch die Efeusymbolik dargestellt. Man findet sie bereits auf frühchristlichen Sarkophagen und Katakombenfresken. Heute ist diese Symbolik fast in Vergessenheit geraten. Diese genügsame Pflanze ist mittlerweile auf allen Friedhöfen zuhause und das seit Jahrhunderten. An Hauswänden ist sie dagegen weniger gern gesehen, da sie ständig zurückgeschnitten werden muss und alles überwuchert, ja sogar Mauerwerk beschädigt. Ihr reichhaltiges Wachstum erstickt andere Pflanzen, so dass sie sehr schnell dominieren kann. Dr. Roger Kalbermatten, Autor zahlreicher Bücher der Pflanzenheilkunde und Begründer einer Heilmittelhersteller-firma von pflanzlichen Urtinkturen, bezeichnet den Efeu als eine der größten Mysterienpflanzen, deren Wesen "die Verbindung des im Dunkeln liegenden Pols des Unterbewussten mit dem im Licht befindlichen Pol des Bewussten".